Trainingsbedarfsanalysen haben einen hohen Stellenwert im Trainingsdesignprozess, da sie die Grundlage für die Entwicklung des Trainings bilden. Doch: Was genau ist eine Trainingsbedarfsanalyse?

Definition

Bei der Trainingsbedarfsanalyse handelt es sich um die eingehende Analyse des Trainingsbedarfs in der Aus- und Weiterbildung einer Organisation, damit das Training auch die gewünschte Wirkung entfaltet. Manche Kollegen sprechen von der „Lernbedarfsanalyse“ oder schlicht von der „Bedarfsanalyse“ – mit Hinweis darauf, dass man zu Beginn des Gesprächs noch gar nicht weiß, ob ein Training überhaupt die richtige Lösung für den Bedarf des Unternehmens ist. Andere nennen sie „Transferanalyse“, weil Transfer das oberste Ziel ist und dies schon durch den Namen ausgedrückt werden soll.

Was bedeutet Trainingsbedarf?

Im Gespräch mit dem Auftraggeber wird geklärt, was das Training leisten soll und es wird – neben vielen anderen Themen – die Frage beantwortet: „Was sollen die Teilnehmenden nach dem Training anders machen?“.

Was ist ein Traingsbedarfsanalyse-Fragebogen?

Der Fragenkatalog der Trainingsbedarfsanalyse umfasst sieben Bereiche, die je nach Größe des Design-Projektes in unterschiedlicher Tiefe hinterfragt werden.
Die Bereiche umfassen:

  1. Die Ausgangssituation mit Fragen nach dem Problem, den Auswirkungen des Problems und dem gewünschten Ergebnis.
  2. Die Zielgruppe mit Fragen unter anderem zum Wissenstand, dem Vorwissen und der Größe der Zielgruppe.
  3. Die Lernzeile mit der Beschreibung von von Kopf, Herz und Hand. Also:
    Kopf: Was sollen die Teilnehmenden nach dem Training kennen?
    Herz: Was sollen die Teilnehmenden nach dem Training verstanden haben?
    Hand: Was sollchen die Teilnehmenden nach dem Training anwenden können?
  4. Die Inhalte, bei denen der Auftraggeber alle gewünschten Inhalte aufzählen darf. Diese werden dann – am besten in Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber – wieder auf die wenigen und zur Erreichung des gewünschten Ergebnisses wichtigen Inhalte gekürzt.
  5. Der Transfer mit Fragen zu Transfermaßnahmen, die vor, während und nach dem Training getroffen werden
  6. Die Evaluierung mit Überlegungen zum Nachweis, ob das Training auch etwas verändert.
  7. Das Organisatorische mit Fragen zu Ort, Zeit, Dokumentation, dem Budget und Restriktionen, von dem das Projekt betroffen sein könnte.

Fakt ist, je mehr der Trainingsdesigner von den Inhalten versteht und je besser er den Kunden kennt, desto eher kann er eine Basic-Version der Trainingsbedarfsanalyse verwenden. Ist das Thema inhaltlich unbekannt, der Kunde noch neu oder steht ein großer internationaler Rollout an, arbeitet man besser mit einer fortgeschritteneren Trainingsbedarfsanalyse.

Wie lässt sich eine Trainingsbedarfsanalyse erstellen?

Bei der Trainingsbedarfsanalyse coachen Sie den Auftraggeber, indem notwendigen Fragen der sieben Teilbereiche gestellt werden um eine gute Grundlage für ein Trainingsdesign zu erhalten.
Fragen Sie geschickt nach und machen Sie dabei auf „blinde Flecke“ aufmerksam. Seien Sie dabei mutig! Dazu gehört, alle Fragen zu stellen, die man gleich oder später hat und Vertrauen in das eigene Bauchgefühl zu haben. Denn oft spürt man, wenn „etwas nicht stimmt“. Das kann schon im direkten Gespräch sein, manchmal kommt es auch erst ein paar Tage später. Spätestens, wenn beim Design Unsicherheiten auftauchen, sollte man sich nach einer Hilfe umsehen. An der Stelle ist es sehr hilfreich, mit einem Sparringsparnter darüber zu sprechen, beispielsweise ein Trainer-Kollege. Denn beim Darüberreden wird oft klar, wo es hakt oder zumindest haken könnte.

Oft geht es für einen Trainingsdesigner im Analysegespräch mit Personalentwicklung oder Führungskräften auch darum, Aufragszwickmühlen zu erkennen und zu benennen. Wenn etwa die Führungskräfte alles in möglichst kurzer Zeit geschult haben möchte, ist es immer günstig, ihnen klarzumachen, was an Inhalten in welchem Zeitrahmen machbar ist. Viele denken, dass mehr Inhalte auch dazu führen, dass mehr gelernt wird. Hier helfen Fragen, wie: Wann haben Sie gut gelernt? Was hat zum Lernen beigetragen? Wie viel haben Sie davon umgesetzt? Häufig kommen die Auftraggeber dann selbst zu dem Schluss, dass es vor allem Zeit braucht, um transferwirksam zu trainieren.

Ein besonderes Augenmerk muss bei umfangreichen Rollouts darauf gelegt werden, wie viele Personen in welchen Ländern und in welchen Sprachen geschult werden und welche Trainingsmaterialien zur Verfügung stehen sollen. Werden die Trainings durch intere Kollegen durchgeführt, dann ist in der Trainingsbedarfsanalyse besonders darauf zu achten, wer die zukünftigen Trainer sein werden. Es ist detailliert zu eruieren, wie viel inhaltliches und wie viel trainingstechnisches Know-how mitgebracht wird. Je klarer hier schon die zukünftige Trainergruppe genannt werden kann, desto leichter ist es, im Trainingsdesign darauf Rücksicht zu nehmen.

Vorteile der Trainingsbedarfsanalyse

  • Trainingsdesigner können aus den Vorstellungen und Wünschen der Auftraggeber auf die Inhalte des Trainings schließen.
  • Auftraggeber erleben, wie tief das Trainingsdesign blickt und erkennen, wie hoch der Aufwand ist.
  • Trainierende, die das Trainingsdesign trainieren, sind lückenlos gebrieft und auf alles, was passieren und verhindert werden kann, vorbereitet.

Was sind die Gründe für eine Trainingsbedarfsanalyse?

Bei großen, auch internationalen Rollouts würde es niemanden einfallen, einfach mal drauf los zu designen. Bei kleinen, schon bekannten Trainings – denn die Inhalte kennt man ja, und das Unternehmen auch – kommt es schon vor, dass man sich nicht mehr die Mühe macht, ein paar Kernfragen zu stellen. Nur ist dann der Trainer im Raum erstaunt, wenn tatsächlich mal „alles ganz anders“ ist.
Mein Rat an alle Trainingsdesigner, die einen Lernerfolg erzielen wollen: Nehmen Sie keine Briefings zwischen Tür und Angel an! Vor allem bei Langzeitkunden, bei denen man eigentlich „schon weiß, wie es läuft“, passiert das gelegentlich. Gefährlich sind auch die Kunden, bei denen „man unbedingt einen Fuß in die Tür bekommen will“. Es besteht immer die Gefahr, dass man „ins Blaue“ ein Training entwickelt, das nicht den Bedarf trifft. Und das büßt dann der Trainingsspezialist, der im Raum steht und merkt, dass „irgendwas nicht stimmt“. Daher kein Training ohne Trainingsbedarfsanalyse!

Fazit

Die fundamentale Bedeutung der Trainingsbedarfsanalyse ist auch den Auftraggebern nicht unbedingt vorher klar. Je mehr unsere Auftraggeber darüber wissen, desto mehr Zeit wird für ein gutes Briefing zur Verfügung gestellt. Deswegen gilt: Erklären Sie Ihnen die Trainingsbedarfsanalyse und machen Sie Ihnen deren Wichtigkeit bewusst.

Trainings, die kommen, gut sind und bleiben?

 

Das wünscht sich jeder, vom Unternehmer, über den Personalleiter, bis hin zum Teilnehmer. Denn es gibt immer noch flächendeckend viel zu viele schlechte Trainings, die nicht ankommen und deshalb nichts bringen.

Vielen Dank!