Meine wunderbare Erfahrung mit lernOS

Auf dem Inspiration Day im September 2020 in Wien besuchte ich einen Workshop zum Thema „Selbstgesteuertes Lernen und lernOS“. Das unerwartete und wunderbare Ergebnis war, dass ich während des Workshops zwei Mitstreiter kennenlernte, die genauso wie ich dieses lernOS ausprobieren wollten. Damals war uns nicht klar, wohin uns diese Lernreise führen sollte. Und niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass wir uns 2022 wieder – und zwar zum vierten Mal – zu einem 13-wöchigen Lernzyklus verabreden würden.

Aber der Reihe nach …

Was bedeutet selbstgesteuertes Lernen und warum lernOS?

Selbstgesteuertes Lernen heißt, dass der Lernende als aktiv Handelnder seine Lernaktivitäten – ob, was, wann, wie und woraufhin gelernt wird – selbst bestimmt und überwacht.

Die Merkmale eines selbstgesteuerten Lernens sind somit:

  • eigenständige Zielsetzung
  • Selbstmotivation
  • Auswahl geeigneter Lernstrategien und Lernaktivitäten
  • Überwindung von Problemen und
  • Lernerfolgskontrolle

lernOS ist ein offenes System für lebenslanges Lernen und lernende Organisationen. Die Grundidee ist, dass wir alle offen und bereit sein müssen, diese ungewisse und nicht vorhersehbaren Zukunft gemeinsam zu gestalten. Die Motivation für die persönliche Entwicklung sollte sowohl das eigene Wohlergehen als auch das Wohl der Freunde und Familie, der Communities und Gesellschaft sein. Denn es braucht Wissen, Fähigkeiten, Denkweisen, Einstellungen, Methoden und Werkzeuge, um gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten.

Unter Lernen versteht man den absichtlichen oder beiläufigen Erwerb von Wissen oder Fähigkeiten. Dieser Lernprozess führt zu relativ stabilen Veränderungen des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrungen oder neuen Erkenntnissen. Lernen ist notwendig, um die Wissensarbeit produktiv zu gestalten. Und Wissensarbeiter benötigen:

  • Autonomie, also die Fähigkeit sich selbst zu managen
  • Mastery, indem sie kontinuierlich lernen und
  • Purpose, die Fähigkeit, die relevanten Arbeitsaufgaben zu erkennen

Wie funktioniert lernOS?

Der lernOS Flow basiert auf einem 13-wöchigen Zyklus. Er beginnt mit der Woche 0 für Planung und Zielfindung und endet in der Woche 12 mit einer Retrospektive. Dieser Zyklus kann bis zu viermal pro Jahr wiederholt werden.

Es gibt drei lernOS Sprints mit unterschiedlichen Zielsetzungen, die auf bewährte und praxis-erprobte Methoden zurückgreifen:

  • „Produktivität & Stressfreiheit“ auf Basis von Getting Things Done
  • „Zielorientierung und Fokussierung“ auf Basis von Objectives & Key Results
  • „Offenheit & Vernetzung“ auf Basis von Working Out Loud

Das Schöne dabei ist: Die drei Lernpfade hängen zusammen oder kommen zusammen. Und das bedeutet: Wo man anfängt, hängt vom eigenen Ziel ab.

selbstgesteuertes lernen mit lernOS

Unsere Vorgehensweise und meine Erfahrungen

Die generelle Vorgehensweise ist einfach: Man kann einen Lernpfad alleine, als Tandem oder mit einem Circle angehen. Alle drei Lernpfade beinhalten einen Leitfaden für die Moderation der Circles.

Unser Dreier-Team einigte sich auf Working Out Loud. In der Woche 0 bestimmten wir unsere Vorgehensweise, die Termine [bei drei selbstständigen Trainer:innen kein leichtes Unterfangen!], die wechselseitige Moderation für die 12 sogenannten Katas (Aufgaben) festgelegt und die technischen Hilfsmittel (Zoom und OneNote).

Rückblickend kann ich mich erinnern, dass uns die Katas teilweise zu unklar waren (allerdings vor der Überarbeitung, jetzt gibt es die Version 2.0) und wir uns damit halfen, die Katas für das nächste Mal zusammen zu lesen, um ein gemeinsames Verständnis zu erlangen.

In der Retrospektive, also in Woche 12, wurden folgende Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:

  • lernOS macht durch die hohe Eigenmotivation und die Freiwilligkeit Lust aufs Lernen
  • Das – von uns strikt eingehaltene – einstündige Format macht es leicht, denn diese eine Stunde ist zeitlich immer möglich
  • Die klare Struktur mit Check-in, Berichterstattung und Check-out ist wichtig
  • Die Reflexion über den Prozess war uns wichtig, also das Lernen über das Lernen
  • Der „Gruppendruck“ tut gut, denn auch, wenn man sich nicht vorbereitet hat, hat man sich dennoch mit der Gruppe getroffen und so wieder einen Motivationsschub erhalten
  • Auch die 12 Wochen haben sich bewährt – für mich ein guter Zeitraum, um ein Thema zu bearbeiten. Länger hätte es keine Freude mehr bereitet und auch die Motivation war bei mir aufgebraucht

Wenn ich meine Ergebnisse anschaue, so habe ich mein Thema zwar gut recherchiert, aber genau das nicht getan, was man im lernOS Sprint „Offenheit und Vernetzung“ tun sollte: Ich bin damit nicht an die Öffentlichkeit getreten und habe mir zu wenig Unterstützung gesucht. Und doch habe ich gelernt, dass man „da draußen“ Hilfe bekommt, wenn man sie braucht.

lernOS Sprint „Zielorientierung und Fokussierung“

Nach dem ersten Lernpfad, entschieden wir gemeinsam weiterzumachen, denn wir hatten Vertrauen in unsere Gruppe entwickelt.

Und so starteten wir direkt in den Lernpfad „Zielorientierung und Fokussierung“ auf Basis von Objectives & Key Results. Das begann mit einer gründlichen Recherche, was OKR eigentlich ist. Dafür waren – wie immer – die Links im lernOS Leitfaden sehr hilfreich.

Das Objective soll nämlich ein visionäres, anspruchsvolles Ziel sein, das durch messbare Schlüsselergebnisse oder Key Results näher bestimmt wird. Hier zeigte sich, dass es gut ist, dass man bis zur vierten Kata Zeit hat, das Ziel zu finalisieren. Denn das ist genug Zeit, das Ziel und die Schlüsselergebnisse besser zu bestimmen.

Diesmal wollte ich mich mehr mit den Möglichkeiten und der Funktionsweise von LinkedIn befassen. Das Resümee fällt sehr gut aus. Ich habe mich in der Rolle der Produzentin und Konsumentin beobachtet, die unterschiedlichen Features entdeckt, bin kundigen Kolleg:innen gefolgt und habe meinen Kreis an Kontakten beständig erweitert.

In der Retrospektive, also in der Woche 12, wurden folgende Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:

  • lernOS „ist einfach nur gscheit“, denn ich wäre mit dem Thema LinkedIn heute nicht so weit, wenn ich nicht diesem Lernpfad gefolgt wäre
  • Die Möglichkeit, am Beginn wirklich vier Wochen in die Zieldefinition zu investieren
  • Die Verwendung des Miro-Boards für den Lernzyklus und das Teilen der Zwischenergebnisse
  • Die Frage nach dem „Moonshot“ hat nochmal deutlich das Überdenken des Ziels angeregt: Unter Moonshot Objectives versteht man Ziele, die zunächst unmöglich zu erreichen scheinen. Das geht mit der Frage: Wie werde ich um den Faktor 10 schneller/besser? Damit wird man gezwungen, die eigene Komfortzone zu verlassen und über neue Praktiken, Fähigkeiten und Wissen nachzudenken.
  • Das Thema des Lernprojektes ist wichtig, denn das schafft Lernmotivation. Oder auch nicht!
  • Das Lernen, wie OKR funktioniert, haben wir nebenbei mitgenommen

Dritter Schritt: Produktivität & Stressfreiheit

Dass wir uns noch an einen dritten Zyklus machen würden, war glasklar. Diesmal haben wir uns auf unterschiedlichen Lernpfaden bewegt, was an sich nicht empfohlen wird. Während die beiden anderen im OKR blieben, habe ich mich an „Produktivität & Stressfreiheit“ auf Basis von Getting Things Done gewagt. Ich hatte meinen Terminkalender im Auge und wusste, dass es der ideale Zeitpunkt war, mein To-dos zu organisieren.

Dieser Lernpfad war für mich der intensivste, denn es galt, alle To-dos zu sammeln und zu organisieren. Ich habe mir dann das Buch „Getting Things Done“ gekauft und parallel mitgelesen. Dabei habe ich eine erschreckende Liste mit 10 Seiten Länge gefunden, die beim Finden und Strukturieren der To-dos helfen soll. So wurde mir in aller Klarheit vor Augen geführt, dass ich vieles noch gar nicht auf meiner Liste hatte, sondern stattdessen permanent im Kopf.

Und genau diese Dinge sollen aus dem Kopf und in eine Struktur gebracht werden, auf die man sich verlassen kann. Ist die Struktur klar und es kommt eine neue Aufgabe dazu, kann man diese nach der zwei-Minuten-Regel sofort abarbeiten oder in die Taskliste dazu nehmen und mit einem Termin versehen.

Ja, das war anstrengend und es ist noch nicht Licht am Ende meines To-do-Tunnels. Zu gern falle ich in mein altes Verhalten mit Post-its und Papierlisten zurück. Und dennoch merke ich schon eine Verbesserung in meiner Organisation.

Am liebsten würde ich diesen Lernpfad einfach noch einmal machen und vertiefend einsteigen. Das jedoch habe ich auf nächsten Herbst verschoben und freue mich jetzt schon, die Kata mit den 6 Fokushorizonten, die auch Vision, Zweck und Prinzipien beinhaltet, zum Jahresende durchzuführen.

In der Retrospektive, also in der Woche 12, wurden folgende Erfolgsfaktoren herausgearbeitet:

  • Mit lernOS kann man an privaten und beruflichen Themen arbeiten
  • Man darf zwischendurch alles hinwerfen dürfen und sich von der wohlwollenden Gruppe auffangen lassen
  • Man lernt viel über das Lernen, wenn man sich selbst beobachtet und dieses Thema in der Gruppe reflektiert
  • Um ausreichend Motivation zu haben, soll man folgende Frage zu Beginn ganz ehrlich beantworten: Ist mir das Ziel wirklich wichtig?

Was hat das für Auswirkungen für die Designs und Transferbegleitung meiner Trainings?

lernOS hat mich animiert, über einen Lern-Transfer-Circle nachzudenken. Wie wäre es denn, wenn die Teilnehmenden sich begleitend zu meiner Trainingsdesign Weiterbildung gegenseitig unterstützen, um entweder das Lernprojekt in 12 Wochen fertigzustellen oder, um sich in interessante Themen zu vertiefen?

Das Produkt wurde einer kritischen Prüfung unterzogen und war fertig für einen Pilotdurchgang. Bis mir klar wurde, dass ich kein neues Produkt dazu erfinden muss: mit OKR kann man diese Lernbegleitung auch abbilden. Und so werde ich der nächsten Trainingsgruppe diese Möglichkeit der Vertiefung anbieten.

Fazit zum selbstgesteuertem Lernen

Heinz von Förster sagte: „Lernen ist eine geistige Liebesaffäre“.

Diese Liebesaffäre werde ich fortführen mit lernOS und mit #MeinZiel22, das von der Corporate Learning Community ausgerufen wurde. Es geht darum, das „persönliche Kompetenz-Entwicklungs-Ziel“ zu formulieren und sich mit anderen, die ähnliche Themen und Ziele verfolgen, zusammenzuschließen. Wer darauf Lust hat und Mitlernen will, findet hier weitere Infos.

Quellenverzeichnis:

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