[Dieser Artikel erschien erstmals im Metalog Magazin und darf nach freundlicher Genehmigung auch hier veröffentlicht werden.]

EOL im Einsatz“Als EOL-Mensch ist man gnadenlos …flexibel.”

Wie bist du persönlich mit EOL in Kontakt gekommen?

Ich war 2005 in einem Eintagesworkshop mit Tobias Voss in Wien. Nach dem Mittagessen führte die Gruppe KommunikARTio durch, und da sagte ein Teilnehmer zum anderen: „Sei endlich ruhig! Du gehst mir schon den ganzen Tag auf die Nerven…!“ Das war ein hochemotionaler Moment und ich habe mir damals gesagt, wenn irgendetwas in so kurzer Zeit solche Emotionen erzeugen kann, dann will ich das genauer kennenlernen.

Wie hast du dann das neue Gedankengut zum ErfahrungsOrientierten Lernen in die Praxis umgesetzt?

Erst mal gar nicht – ich musste das einfach sacken lassen. Dann bin ich in die EOL-Ausbildung gegangen und war skeptisch. Es war ja klar, dass man das ErfahrungsOrientierte Lernen für Teamentwicklung einsetzen kann, aber ich hatte damals hauptsächlich Trainings, bei denen es um Projektmanagement, Prozessmanagement, Statistik usw. geht. Wie sollte das denn funktionieren? Dann habe ich begonnen, die Tools einfach mal auszuprobieren, um zu schauen, wie die Wirkung ist. Und habe dann Schritt für Schritt erkannt, dass man die einzelnen Lernprojekte ja maßschneidern und dann sehr wohl auch für viele andere Bereiche einsetzen kann.

Eine Erfahrung bei einem Workshop in Istanbul hat dann einen riesigen Aha-Effekt für mich erzeugt: Hier ging es um die Themen Prozessverbesserung, Lean und Sixt Sigma. Ich habe das Lernprojekt „Stühle kippeln“ gemacht. Plötzlich sagte ein Teilnehmer zu mir „Anna, das ist doch so wie Taktzeit“ und ein anderer: „Ja, aber auch wie Standardisierung“. Und ich hatte einen wachen Augenblick in meinem Leben und habe erkannt: Ja, genau! Heute frage ich jedes Mal in diesem Workshop an dieser Stelle: „Inwiefern ist das Lernprojekt ‚Stühle kippeln‘ ein Beispiel für Taktzeit und Standardisierung?“ So leite ich aus einer Erfahrung die komplette Theorie am Flipchart ab und habe gleichzeitig die Teilnehmer voll involviert.

In welchen Bereichen und mit welchen Kunden hast du EOL in den letzten Jahren eingesetzt?

Ich verwende ErfahrungsOrientierte Methoden bei allen Kunden, denn für mich macht es einfach Sinn, aus einem Erleben heraus Inhalte abzuleiten. Nach dem Erleben reden wir darüber und dadurch kommen die Teilnehmer ins Denken und ins Tun. Sehr häufi g arbeite ich dann natürlich auch mit
METALOG® training tools. Ich bin sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor bei Banken und Versicherungen unterwegs. Ich habe in den letzten Jahren viel für die Linde AG gearbeitet, aber auch in der Pharmabranche. Aktuell mache ich viele Train-the-Trainer-Programme.

Wie macht EOL für dich persönlich den Unterschied?

Aus Sicht der Teilnehmer macht für mich den Unterschied, dass sie geistig, körperlich und emotional beteiligt sind. Diese „Ich setz mich mal rein und lass mich berieseln“-Haltung fällt weg. Das ist manchmal am Anfang ungewohnt, aber die Lernenden kommen dann recht schnell darauf, dass sie selbst richtig was davon haben. Aus der Trainersicht ist das ganz klar. Man merkt sofort, dass die Teilnehmer mehr behalten und Inhalte mehr integriert werden. Zentral für uns Trainer ist ja immer der wirk- liche Transfer in den Alltag. Lernen war dann erfolgreich, wenn echte Veränderungen am Montagmorgen im Alltag passieren. Und das gelingt so viel besser und macht mir Lust und Laune. Der Hintergedanke dabei ist natürlich noch ein anderer. Ich denke, es hat mit der Lernverantwortung zu tun. Ich schaffe als Trainer die besten Voraussetzungen dafür, das Lernen gelingen kann – die Verantwortung für das Lernen selbst liegt aber bei den Teilnehmern. Das heißt natürlich, dass ich mehr vorbereite. Gleichzeitig brauche ich während der Lernprojekte auch eine andere Art von Aufmerksamkeit, um mitzubekommen, wie der Gruppenprozess läuft und wie es den Einzelnen geht.

Wer ist ein typischer Teilnehmer in der EOL-Trainerausbildung?

Mhhh … gute Frage. Ich würde sagen, das sind Menschen, die vor Menschen stehen. Alle, die anderen etwas beibringen wollen, seien es Lehrer, interne Trainer, selbstständige Trainer, Coaches, Paartherapeuten usw. Man könnte sogar sagen, alle diejenigen, die anderen helfen, sich zu verändern – und zwar von der Kleingruppe oder Familie bis hin zur echten Großgruppe mit 500 Leuten. Dabei geht auch die Erfahrungsspanne recht weit auseinander: Es kommen echte Silberrücken im Trainings- geschäft genauso wie Jungtrainer mit noch wenig Erfahrung.

Welche innere Haltung ist bei der Arbeit mit EOL hilfreich?

Häufig verlassen die Teilnehmer erst einmal ihre Komfortzone, denn sie lernen, zuzulassen, wie es ist, wenn die Gruppe „angemessen scheitert“ – was ihnen häufi g total schwer fällt. Es geht dabei nicht darum, die Teilnehmer ins offene Messer laufen zu lassen. Sondern darum, wie ich sie so scheitern lassen kann, dass sie in einen emotionalen Zustand kommen, der Lernen gut zulässt. Ein anderer Punkt ist sicher die Flexibilität. Als EOL-Mensch ist man gnadenlos flexibel und damit hängt das Thema Utilisieren, was im Raum ist, zusammen. Das heißt, Antennen und Wertschätzung dafür zu entwickeln, was gerade im Raum ist, was es hier gerade braucht und wie das für den gesamten Lernprozess genutzt werden kann. Und hier schlagen wieder zwei Herzen in meiner Brust. Einmal das Herz des Trainers und auch das Herz des Teamentwicklers: Der Trainer muss fl exibel sein und gleichzeitig doch das Ziel erreichen, das er vom Auftraggeber klar vorgegeben hat. Als Teamentwickler gebe ich dagegen eher dem Fokus nach, der spontan entsteht.

Was sind aktuell deine Lieblingstools?

Es gibt natürlich einen ganzen Haufen davon. Ein besonderes Highlight für mich ist momentan PerspActive, denn es ist für mich das einzige Tool, bei dem keiner den gesamten Prozess permanent kontrollieren kann. Irgendwer übernimmt natürlich am Anfang die Verantwortung, doch sobald das Tool gedreht wird, muss jemand anders die Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig muss er beschreiben, was er sieht, und das Ziel im Auge behalten und dabei sagen „Ja, das ist die richtige Richtung“. Und diese Übernahme von Verantwortung und Führung passiert bei diesem Tool andauernd. Das ist für mich eine sehr schöne Metapher für alles, was momentan so im agilen Bereich passiert, wo Sachen übergeben werden und man darauf vertrauen muss, dass die Vorgänger das ganz gut gemacht haben.

Ein weiteres Lieblingstool ist sicher KommunikARTio, weil es einfach genial ist für virtuelle Projektteams. Hier kann man super lernen, wie man gut zusammenarbeiten kann, wenn man sich nicht sieht, und was es an gemeinsamen Regeln braucht, damit das gut funktionieren kann. Und nicht zu vergessen sind die EmotionCards: Die dürfen bei keinem Training fehlen!

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