S’Gschichtl

Der neue Kunde hatte zum Kennenlerngespräch eingeladen und im angefragten Thema Train-the-Trainer fühlte ich mich sicher. Bis zum entscheidenden Kommentar der Personalentwicklerin: „Und den ersten Tag hätten wir gerne zum Thema Präsenztraining und der zweite Tag soll sich um E-Learning und das Webinar drehen.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar schon erkannt, dass es wichtig wäre, sich in das Thema E-Learning einzuarbeiten, Ahnung davon hatte ich allerdings keine. Und – ehrlich wie ich bin – sagte ich der Auftraggeberin, dass ich das Präsenztraining gerne machen könne, für das Webinar hätte ich eine wunderbare Kollegin, die das auch beherrsche. Und da meinte die Auftraggeberin, dass sie sicher sei, dass ich das schon machen werde.

Und es kam wie es kommen musste: wenige Tage später fand sich in Mail in der Inbox, dass eine Kollegin ein Pilottraining zur „Zertifizierten E-Trainerin“ anbietet. Und ich stürzte mich mit Wagemut, viel Respekt und einer großen Portion Neugierde hinein.

Und wie genau wurde das E-Learning-Feuer entfacht? Ich erkannte, dass eine Lernunterstützung durch WhatsApp als Tool des E-Learning gilt, ich lernte Webinarräume kennen, in denen ich die Teilnehmenden in Unterräume verteilen konnte und ich begriff, dass ganz viele Methoden, die ich aus dem Präsenztraining kannte, auch ganz einfach in Online-Trainings verwenden konnte.

Was ist Blended Learning – eine Definition

Blended Learning bedeutet „gemischtes Lernen“ und damit sind Lernangebote gemeint, die eine Kombination aus Präsenztrainings und virtuellen Online-Lernsettings darstellen.  Dabei geht es um die optimale didaktische Verzahnung von Präsenzveranstaltungen und Methoden und Medien des Online-Lernens. Dieses – auch Learning Journey – genanntes Format unterstützt das Erreichen der Lernziele bzw. der Transferziele.

Have the end in mind

Das Grundprinzip beim Design von Blended Learning Konzepten heißt wie beim Design von Präsenztrainings: „Have the end in mind.”  Denn was immer die Teilnehmenden nach dem Training wissen, verstehen und anwenden sollen und wie das wiederum dem Unternehmen dient, ist die oberste Maxime jedes Designs. Jedes Tool, jede Methode, jede Übung muss der Frage standhalten können: Dient das dem Teilnehmenden und infolgedessen auch dem Unternehmen?

Vorteile von Blended Learning Konzepten

Die bekannten Vorteile für Unternehmen liegen darin, dass größere Zielgruppen erreicht und dass Seminarraum- und Hotelkosten sowie Reisezeiten verringert werden.

Ein großer Vorteil von Blended Learning liegt darin, dass Inhalte zeit- und ortsunabhängig konsumiert werden und der Teilnehmende so selbst bestimmen kann, wann, wo, wie oft und wie viel man lernen möchte. Die Präsenzzeiten können dann intensiver für Übungen, Fragen, Reflexion und Erfahrungsaustausch genutzt werden.

Der Lerntransfer endet bei Trainings ganz oft an der Türschwelle des Seminarraums. Denn nach dem Training fehlt oft die Zeit und das Commitment, das Gelernte in den Arbeitsalltag umzusetzen. Daher ist das hier mein liebster Lieblingsvorteil: der Transfer kann mit Blended Learning Formaten nachhaltiger begleitet und die Transferwirksamkeit somit erhöht werden. Denn zwischen drei und neuen Monate kann es dauern, bis ein neues Verhalten tatsächlich verankert ist. Besonders leicht gelingt dies, wenn die Lern- und Transferunterstützung am mobilen Endgerät zur Verfügung steht.

Und die Nachteile?

In Unternehmen fehlt oft noch die notwendige Lernkultur und damit meine ich das Verständnis, dass Lernen Zeit und für viele Teilnehmende ruhige Orte benötigt. Denn auch E-Learning benötigt Zeit und nur eine sorgfältige Vorbereitung schafft den wunderbaren Vorteil, dass alle Teilnehmenden zu Trainingsbeginn einen einheitlichen Wissensstand haben.

Modelle

Es gibt ganz unterschiedliche Modelle, die je nach Lernziel eine unterschiedliche Anordnung von E-Learning und Präsenzinhalten zur Folge haben.

Mein Lieblingsmodell habe ich unter den Namen „Flussmodell“ gefunden. Dabei startet und endet das Training mit einem Live Online Training (LOT), dazwischen gibt es Präsenztrainings und weitere LOTs und wird möglicherweise noch mit einer App auf einem Handy begleitet.

Methoden

Beliebte Methoden aus dem E-Learning, die sich in Blended-Learning Formate hervorragend eignen, sind die folgenden:

  • E-Mail: Impulse mit weiterführenden Impulsen und Links werden an die Teilnehmenden in vorher definierten Abständen versandt.
  • Webinare: hierbei handelt es sich um Online-Angebot, bei dem Trainer und Teilnehmende nicht gleichzeitig im Web sind und das bedeutet, dass hier zeitunabhängig gelernt wird.
  • Live Online Training: bei dieser Variante sind Trainer und Teilnehmende zur selben Zeit online, können allerdings auf der ganzen Welt verstreut sein. Findet das Seminar mit kleinen Gruppen statt, kann (fast) wie im Präsenztraining gearbeitet werden. Eine sehr gute Planung und häufige Einbindung der Teilnehmenden sind sehr wichtig.
  • Podcast: dieses derzeit boomende Format ist eine Audio-Aufnahme, wobei entweder selbst aufgenommene oder fremde Podcasts zur Verfügung gestellt werden können.
  • Video: auch bei den Videos können eigene oder fremde verwendet werden und sogar die Teilnehmenden können gebeten werden, kleine Videos über das Trainingsthema zu drehen.
  • Instant Messaging, wie z.B. WhatsApp: ist ideal zum Begleiten der Lerngruppen, da Teilnehmende und Trainer damit vertraut sind.

Blended Learning Beispiel

Für die Ausbildung von Fachexperten zu internen Trainern wurde folgende Vorgehensweise gewählt.

  • Logistik-Live Online Training: mit Erklärung des Trainings, der Voraussetzungen für das Lernprojekt und der Einladung, an der WhatsApp-Gruppe teilzunehmen.
  • 2 Tage Präsenztraining: mit Input und Übungen zum Lernen von Erwachsenen, zur Trainingsbedarfsanalyse, wie Inhalte zusammengestellt und dann designt werden
  • Live Online Training zur Vorbereitung des Themas „Herausfordernde Seminarsituationen“ und zur Beantwortung der Fragen zu den Teilnehmer-Trainingssessions (Q&A)
  • 2 Tage Präsenztraining mit mehr Input und Übungen Durchführen für Trainings und Teilnehmer-Trainingssessions.
  • Transfer-Live Online Training zur Klärung offener Fragen nach ersten Trainingserfahrungen und Feedback
  • Begleitend: Lernprojekt anhand dessen die Teilnehmer alle Übungen durchführen und dessen Inhalt später auch im Unternehmen so trainiert werden soll.
  • Parallel: Begleitet wird das Training auch über das offizielle Training hinaus von einer WhatsApp-Gruppe, über die die Teilnehmenden untereinander und mit dem Trainer in Kontakt bleiben können.

Ist Blended Learning die Zukunft?

Das reine E-Learning wurde lange als die Zukunft des Lernens gepriesen, heute setzt man im Sinne der besseren Untestützung der Teilnehmenden und der Transferwirksamkeit zunehmend auf Blended Learning. Der Markt offeriert qualitativ hochwertige Blended Learning Ausbildungen und Weiterbildungen zum Blended Learning Trainer / Coach bzw. auch schon zum Blended Learning Designer.

Fazit

Wer Transferwirksamkeit unterstützen will, kommt an Blended Learning nicht mehr vorbei. Zwei Dinge sind für mich auf dieser Reise wichtig: Fühle ich mich mit dem Konzept und den jeweiligen Methoden wohl? Und: Ist das Konzept gut in meinen Trainingsalltag integrierbar? 

Trainings, die kommen, gut sind und bleiben?

 

Das wünscht sich jeder, vom Unternehmer, über den Personalleiter, bis hin zum Teilnehmer. Denn es gibt immer noch flächendeckend viel zu viele schlechte Trainings, die nicht ankommen und deshalb nichts bringen.

Vielen Dank!